Klettergebietstour - Friensteiner-1908_neu

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Klettergebietstour Sächsische Schweiz 2020
Anfang des Jahres setzte sich Stegi in den Kopf, eine Klettergebietstour durch die Sächsische Schweiz zu unternehmen. In jedem Klettergebiet sollte ein Gipfel erklommen und der Weg dazwischen zu Fuß zurückgelegt werden. Das Ganze natürlich an einem Tag, soviel zu den selbst auferlegten Regeln. Mit Lutz und Papa fand er zwei Mitstreiter. Allerdings gestaltete sich die Terminfindung schwierig. Für die Drei war einfach kein gemeinsamer Termin zu finden. Somit nahmen Stegi und Lutz am 27.06.2020 die Tour in Angriff.
Ines fuhr die Beiden am Samstag um 01.00 Uhr zum Ausgangspunkt. Dieser lag  zwischen Raum und Buchenhain, einem Ortsteil von Bad Gottleuba-Berggießhübel.
Überpünktlich liefen beide um 1.45 Uhr sehr motiviert und mit Stirnlampen bestückt zum ersten Gipfel los, um den „Dieb“ im Erzgebirgsgrenzgebiet zu suchen und zu ersteigen. Bereits nach 10 min kamen Beide zur Erkenntnis, dass Gipfelsuchen und Navigation im (stock)dunklen ungünstig ist. Sie suchten über eine Stunde diesen anscheinend nicht existenten Gibb´l. Erschwerend kamen die teilweise einen halben Meter tiefen, gut mit Wasser gefüllten, Spuren von Forstgeräten sowie das hüfthohe nasse Gras hinzu. Bereits nach einer halben Stunde waren Beide fußaufwärts ordentlich durchnässt, herrlich. 3.00 Uhr sollte es dann soweit sein, der „Dieb“ stand plötzlich vor ihnen. 03.14 Uhr war er endlich erklommen.
Jetzt kann es nur noch besser werden. Über den Forststeig wurde zu Gipfel Nr. 2, die „Johannismauer“ im Bielatal gewandert. Dieser wurde gegen 4:00 Uhr schnell abgehakt.
Nun ging es auf das längste Zwischen-Gipfel-Wegstück der Tour, die ca. 14 km bis zum „Rhombus“ im Gebiet der Steine. Unterwegs gab es einen herrlichen Sonnenaufgang mit verschiedenen Blicken über die Tafelberge. Romantisch, sehr zeitig und irgendwie weit…
Der Rhombus wurde 7:05 Uhr über die Ostkante erklommen.
Danach ging´s weiter zur Fähre nach Wehlen. Hier konnten die Kletterer ein wenig Zeit wieder gut machen. Die Schranke in Wehlen war oben und die Fähre wartete anscheinend extra auf die Zwei. Weiter zur „Wetterwarte“ (9:01 Uhr).
Danach ging es schnell nach Rathen. Beim Bäcker holte jedermann seine Brötchen, die Beiden bestellten 2 kühle Radler als „verspätetes Frühstück“. Das Getränk vor der Elbe mundete sehr. Als nächstes stand der „Türkenkopf“ auf dem Plan. Stegi im Vorstieg über die Wolkenkante und Lutz eifrig hinterher. Oben angekommen vermissten sie das zweite Seil (2 x 27m wurden mitgenommen zwecks Gewichtsverteilung). Mist! Es lag noch am Wandfuß. Sie hatten aber Glück. Oben war kurz vor ihnen eine Seilschaft angekommen, welche ein 80m Seil bereits in die Abseilöse eingehangen hatte. Man kam kurz ins Gespräch, bald aber schüttelte die voran gekletterte Seilschaft den Kopf, als sie erfuhren, was die Beiden mit einem 27m-Seil auf dem Gipfel stehend (Ortszeit 10:27 Uhr) heute schon alles gemacht hatten und dass dies bereits das fünfte Klettergebiet sei. Ob sie das glaubten war uns egal. „Wir müssen weiter“ hieß es und Stegi und Lutz durften auf Grund der Zeitnot zuerst und in einem Zug abseilen. Wir bedankten uns mehrfach auf dem Weg nach unten.
Weiter ging´s zur "Osterspitze" im Brandgebiet (11:33 Uhr). Auch hier wurde trotz Hitze schnell agiert.
Der „Götze“ in den Schrammsteinen hieß das nächste Ziel. Nun standen sie vor der Entscheidung, wie weiter bzw. wo lang? Es waren mittlerweile an die 30 Grad. Die Entscheidung fiel für den schwereren, aber letztendlich schattigeren Weg durchs Polenztal, dann Rathmannsdorfer Höhe, Wustmanndörfel, Kirnitzschtal, Ostrauer Berg. Es war die bessere Wahl. Auf der immerhin 12 km langen Etappe lechzte man noch zweimal am kühlen Radler, an der Waltersdorfer Mühle und am Ostrauer Hof. An der Waltersdorfer Mühle gab es dabei im Biergarten eine ungewöhnliche Begegnung der schrägen Art - einer aus der Nacktwander-Gruppe saß biertrinkend auf der Bank. Stegi konnte sich einen Kommentar nicht verkneifen, als der nackte alte Mann seine bestellte Bockwurst am Tresen abholte. Es wurde geschmunzelt. Naja, jeder macht halt seins – manche müssen durchs Gebirge hetzen und Gibb´l sammeln, ein anderer geht’s langsamer an und zeigt dabei was er hat.
Nach dem „Götze“ (Foto des Gipfelbucheintrages um 14:50 Uhr) ging es weiter über die „Breite-Kluft-Wand“ (Schmilkaer Gebiet, 16:21 Uhr) zum Highlight der Tour, dem Klubgipfel Frienstein. Oben angekommen (18:01) machten sich ringsherum heftige Gewitter zu schaffen. Sturm kam auf. Es schien nur eine Frage der Zeit, wann es zum Abbruch der Tour kommt.
Trotzdem entschieden sie sich, die „Wartburg“ im Gebiet des kleinen Zschand anzusteuern, da diese in Richtung eines möglichen Abholpunktes im Kirnitzschtal lag. Wir hatten wieder Glück. Es fing unterwegs nur leicht an zu regnen und kurz vor der Wartburg hörte der Regen sogar auf. Die Sonne schien plötzlich wieder. Also Gurt an und hoch ging es (19:36 Uhr) über den Alten Weg. Langsam wurde die Zeit knapp und 3 Gipfel standen noch auf dem Plan. Müdigkeit übermannte die Beiden.
Mit der „Kansteinnadel“ (20:31 Uhr) wurde ein weiterer Gipfel mit Friensteiner Geschichte ins Programm genommen.
Nun hieß es Beine in die Hand nehmen und versuchen den vorletzten Gipfel, das „Brötchen“ im Großen Zschand noch bei Tageslicht zu erreichen. Dies wurde immens erschwert durch Unmengen umgesägter Bäume (Borkenkäfer) auf dem gesamten Weg dorthin. Es war etwas frustrierend. Ein direkter Zustieg war schier unmöglich. Trotzdem fiel der Gipfel um 21:41 Uhr in der späten Dämmerung. Vor Einstieg wurde sich gegenseitig nochmals zur Vorsicht ermahnt. Jetzt bloß keine Fehler machen, hieß es. Beide waren lange unterwegs und die Kräfte ließen nach. Nun wurde es dunkel und im Kirnitzschtal hieß es (wieder) Stirnlampe an.
Diesmal fanden die Beiden im Dunklen fast auf Anhieb zum letzten Gipfel, die „Scheibe am Tellerhörnel“. Der Einstieg war die letzte Hürde Richtung Gipfelsturm.

Am ZIEL um 22:50 Uhr wartete auf die Beiden ein gut temperiertes Gibb´lbier – der Lohn der ganzen Tour. Es zischte! Genial! Davor ein dreizehntes Mal „Berg Heil!“ an diesem besonderen Tag. Dazu der Gipfelbucheintrag. „Es war dunkel, still, der Gipfel im Wald, Bäume um uns und das Bier hieß „Tannenzäpfle“, irgendwie passend. Und irgendwie ist es hierhergekommen. Wie wir. Wir waren glücklich. „
Um 23:30 Uhr holte Catharina die Beiden völlig verdreckt und durchgenässt am Treffpunkt Bushaltestelle Hinterhermsdorf Räumicht ab. Klamottenwechsel, weitere Biere, letzte Gespräche auf der Heimfahrt. Der lange Tag ging zu Ende. Alles war gut.
Ein Dankeschön an die beiden Taxifahrerinnen und allen, welche die Daumen gedrückt haben. Falls sie irgendwann die Tour wiederholen sollten, dann von Ost nach West, oder auch mal die Klettergebiete der böhmischen Schweiz gleich noch dranhängen -  Egal, sie werden Papa als erstes fragen ob er zur nächsten (Tor)t(o)ur mitkommt.
Berg Heil und Glück-Auf!
Stegi & Lutz


Tourdaten zur Klettergebietstour Sächsische Schweiz am 27.06.2020

Start: Rosenthaler Straße, zwischen Buchenhain und Raum 01:45 Uhr

1/13 Dieb Alter Weg II Erzgebirgsgrenzgebiet 03:14 Uhr
2/13 Johannismauer Alter Weg I Bielatal 04:01 Uhr
3/13 Rhombus Ostkante III Gebiet der Steine 07:05 Uhr
4/13 Wetterwarte Alter Weg I Wehlener Gebiet 09:01 Uhr
5/13 Türkenkopf Wolkenkante VI Rathener Gebiet 10:27 Uhr
6/13 Osterspitze Alter Weg II Brandgebiet 11:33 Uhr
7/13 Götze Künstlicher Weg IV Schrammsteine 14:50 Uhr
8/13 Breite-Kluft-Wand Bergweg III Schmilkaer Gebiet 16:21 Uhr
9/13 Frienstein Alter Weg III Affensteine 18:01 Uhr
10/13 Wartburg Alter Weg III Kleiner Zschand 19:36 Uhr
11/13 Kansteinnadel Alter Weg III Wildensteiner Gebiet 20:31 Uhr
12/13 Brötchen Alter Weg II Großer Zschand 21:41 Uhr
13/13 Scheibe am Tellerhörnel Alter Weg II Hinterhermsdorfer Gebiet 22:50 Uhr

Ziel: Bushaltestelle Hinterhermsdorf Räumicht 23:30 Uhr

Gesamtstrecke: mit Verlaufen und Suchen ca. 65 km
Gesamtzeit der (Tor)tour: 21:45 Stunden
Zeit Start bis Gipfel Tellerhörnel: 21:05 Stunden
Zeit Einstieg Dieb bis Gipfel Tellerhörnel: 19:50 Stunden



 
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