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über die Kühnsche Variante auf den Bloßstock
Foto: privat
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Kletterjubiläum – 60 Jahre „Südriss“ an der Kleinsteinwand

Es war am 30. Mai 1958. In der Hertigswalder Schule hatten die schriftlichen Abschlussprüfungen der 8. Klasse begonnen. Die jeweiligen Prüfungsaufgaben waren das Negative. Das Positive an der Sache war, dass am Ende der Prüfung nach anderthalb Stunden Schulschluss war. Das war Freizeit!
Diese musste natürlich genutzt werden. Wir drei „Prüflinge“ (Hans Hacker, Rudolf Glaser und ich) waren mehr oder weniger dem Klettersport verfallen. Bei mir war das schon durch einen Zufall seit 1954 der Fall. Die anderen zwei Freunde fanden später den Weg zur Kletterei. Von Hertigswalde war es mit dem Fahrrad kaum länger als eine halbe Stunde bis zur „Kleinsteinwand“. Dort waren wir schon öfter mit dem Seil unterwegs um unsere Kletterkünste zu erproben.
In der großen und hohen Südseite des Felsens gab es einen Riss, der  sich durch die ganze Wand zog. Auf den hatten wir es abgesehen. In dem Kletterführer von 1953 wurde auf den Felsen, der damals noch „ Kleinsteinwächter“ hieß, nur hingewiesen. Beschreibungen der einzelnen Kletterwege waren darin noch nicht enthalten. Wir waren schon mehrfach dort klettern und hatten den Gipfel schon mehrfach  auf verschiedenen leichteren Aufstiegen erreicht. Dadurch wussten wir etwa, welche Aufstiege es bereits gab und was wir uns zutrauen konnten. Bei so einer Tour ist mir auch der lange Riss, der durch die ganze Südwand zieht, aufgefallen. Daran wollten wir uns versuchen. Mit einem Hanfseil (30 Meter lang), drei Hanfschlingen und drei großen „Russenkarabinern“ sollte es los gehen. Einfach war das nicht. Der Einstieg in den unten engen Riss, gelang erst mit dem vierten Versuch. Danach kam ich langsam höher. Bald konnte ich um einen dicken verklemmten Birkenast eine Schlinge legen. Das erleichterte das Unternehmen. Ein ganzes Stück weiter oben konnte ich erneut eine Schlinge legen. Die Kletterei war für mich sehr anstrengend, obwohl ich damals noch wesentlich schlanker war, als heute. Endlich erreichte ich den Ausstieg in der von unten sichtbaren Scharte. Ich war sehr froh, dass ich das geschafft hatte. Nachdem ich mich an einer Kiefer fest gemacht hatte, holte ich Hans nach. Auch er hatte am Einstieg und weiter oben an einer engen Stelle seine Schwierigkeiten, bevor er bei mir ankam. Er musste sich ausbinden, da das Seilende zu Rudolf geworfen werden musste. Der Aufstieg war etwa 25 Meter hoch und das Seil nur 30 Meter lang. Deshalb musste das Seilende wieder hinab geworfen werden. Danach konnte Rudolf kommen. Ihm ging es nicht anders als Hans und mir. Auch er musste sich ganz schön schinden um den Riss zu bezwingen. Bald waren wir drei zusammen in der Scharte. Es folgte nun noch der Übergang auf den Hauptfelsen. Diesen absolvierten wir drei gemeinsam am Seil. Ich glaube nicht, dass es in dem Moment, als wir den Gipfel erreichten, Leute gab, die noch glücklicher waren als wir drei. Stolz trugen wir uns im Gipfelbuch ein. Einen Schwierigkeitsgrad konnten wir nicht angeben. Wir hatten den Aufstieg für uns als schwer empfunden.  Nach einem langen Gipfelaufenthalt stiegen wir dann über den Nordostweg ab. Einen Abseilring gab es damals nicht auf dem Gipfel.  
Am 30. Mai 2018 besuchten Hans und ich nach genau 60 Jahren unseren damaligen „Tatort“ um uns noch mal gemeinsam an unsre Erstbegehung zu erinnern. Heute sind wir beide nicht mehr in der Lage, solche Aufstiege zu Klettern. Darüber half jeden von uns beiden ein kleines Pullchen Sekt und die Erinnerung an vergangene Jahrzehnte Kletterzeit, in denen wir oft gemeinsam am Fels gestanden haben.


Gunter Seifert                31. Mai 2018

 
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